Ist die Bibel denn nicht verfälscht und unzuverlässig?

Ich will mal bei der zentralen Figur der Bibel und des christlichen Glaubens ansetzen… bei Jesus. Im Zentrum des christlichen Glaubens steht ja gar nicht die Bibel selbst, sondern die Person Jesus. Deshalb geht es nicht etwa darum, erst einmal die Glaubwürdigkeit der gesamten Bibel pauschal zu bejahen, bevor man überhaupt sinnvoll über den Glauben nachdenken kann. Sondern es geht um Jesus: Von Jesus glauben die Christen, dass Gott in ihm Mensch geworden ist. Wenn wir Gott kennen lernen möchten, sollten wir uns also mit Jesus auseinandersetzen. Ist er vertrauenswürdig?

Um das herauszufinden, brauchen wir zunächst einmal gesicherte Informationen über ihn. Was hat er gesagt, getan, erlebt? Gibt es darüber historisch zuverlässige Daten? Ich bin überzeugt: Ja, die gibt es. Dazu ein paar Hinweise:

  • Textüberlieferung: Der ursprüngliche Text des Neuen Testaments der Bibel (NT) wird aus einer für die Antike beispiellosen Fülle von erhaltenen Manuskripten und Fragmenten rekonstruiert, die für jeden Forscher zugänglich sind. Dabei wird nach der anerkannten Methode der Textkritik verfahren.
  • Datierung der Schriften: Der Abstand zwischen den Ereignissen um Jesus und den ersten uns bekannten schriftlichen Zeugnissen beträgt laut der Mehrheit der (zum Teil sehr bibelskeptischen) Forschung ca. 20 Jahre (bei den Paulusbriefen) bzw. 30-70 Jahre (bei den Evangelien). Das ist im Vergleich mit anderen antiken Geschichtszeugnissen extrem kurz. In diesem Zeitraum könnten einzelne Details verändert, aber kaum ganze Ereignisfolgen frei dazu erfunden worden sein.
  • Mündliche Überlieferung: Im Gegensatz zu heute war in der Antike die mündliche Überlieferung u.U. sehr langlebig und zuverlässig. Es ist begründbar, dass Jesus selbst in seinen Reden die Gedächtnistechniken jüdischer Rabbiner gebrauchte, um seine Lehre für seine Jünger einprägsamer zu machen.

Wenn du Lust hast, hier noch tiefer einzusteigen: Nach christlicher Überzeugung ist der Anspruch von Jesus, an Gottes Stelle zu stehen, an einem Punkt deutlich bestätigt worden: nämlich in der Auferstehung. Christen glauben, dass Jesus nach dem Tod nicht im Grab geblieben, sondern zu neuem Leben auferstanden ist. Und: Dass die Auferstehung tatsächlich ein historisches Ereignis war, das der kritischen Überprüfung standhält. Wie andere historische Ereignisse auch ist die Auferstehung zwar nicht im strengen Sinne beweisbar, wohl aber denkmöglich und begründbar. U.a. sprechen folgende Indizien dafür:

  • Das leere Grab wird von allen relevanten Texten bezeugt. Glaubt man nicht an die Auferstehung, braucht man eine alternative Erklärung dafür. (Z.B.: Jemand hat den Leichnam entwendet. Wer? Die Jünger? Um selbst eine Lüge in die Welt zu setzen, für die sie später ihr Leben riskieren? Oder waren es Grabräuber? Dann hätten die jüdischen oder römischen Autoritäten nur den Leichnam ausfindig machen und vorzeigen müssen; dazu wären sie in der Lage und daran wären ihnen gelegen gewesen.)
  • Die Frauen am Grab waren laut den Evangelien die ersten Zeugen der Auferstehung. Doch in der Antike galt das Zeugnis von Frauen vor Gericht nichts. Gerade deswegen können wir heute davon ausgehen, dass diese Texte nicht konstruiert sind – dann hätte man (aus damaliger Sicht) kaum Frauen als Zeugen gewählt.
  • Der Stimmungsumschwung der Jünger. Die Jünger Jesu hatten seine Kreuzigung als Niederlage erlebt. Und doch sieht man sie wenige Tage danach durch Jerusalem ziehen und die Auferstehung verkünden. Sie wissen, dass sie sich damit in große Gefahr begeben. Auch hierfür braucht man eine alternative Erklärung, wenn man nicht an die Auferstehung glaubt. Psychologische Modelle sind wenig plausibel, weil sie meistens von einer Gruppenwirkung ausgehen; das NT berichtet aber von mehreren Einzelbegegnungen mit dem Auferstandenen. Zudem ist das Bekenntnis der Jünger von der Auferstehung verbunden mit dem Hinweis auf das leere Grab: Dieser Hinweis wäre zumindest theoretisch falsifizierbar gewesen (wenn nämlich das Grab nicht leer gewesen wäre). Suggestionen und Wahnvorstellungen dagegen sind meist „selbst erhaltende Systeme“, die für prüfende Rückfragen prinzipiell verschlossen sind.

Ausserbiblische Quellen zu Jesus Christus

JesusChristus ist eine reale Person und hat wirklich gelebt, das bezeugen und beweisen auch ausserbiblische Quellen.

Jüdische Autoren

Flavius Josephus (37-100 n. Chr.) war ein Pharisäer, der im Jüdischen Krieg im Jahr 67 gefangengenommen wurde und sich fortan als Historiker betätigte. Er schreibt in seinen Jüdischen Altertümern (XVIII.3.3):

„Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten und der Lehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen. So zog er viele Juden und auch viele Heiden an sich. Er war der Christus. Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu. Denn er erschien ihnen am dritten Tage wieder lebend, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm vorher verkündigt hatten. Und noch bis auf den heutigen Tag besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, fort.“

Hegesippus, ein judenchristlicher Schriftsteller des 2. Jahrhunderts, berichtet ausführlich vom Tode Jakobus’ des Gerechten, wie der Bruder Jesu genannt wurde (zitiert von Eusebius, Kirchengeschichte, 2.23.4-19a). Der Bericht des Josephus ist deshalb besonders wichtig, weil er Jakobus den „Bruder Jesu, des so genannten Christus“, nennt. Dies geschieht in einer Weise, dass man annehmen muss, er habe Jesus bereits vorher einige Male erwähnt.

Andere Autoren

Lukian von Samosata (120-180 n. Chr.) war ein griechischer Satiriker. Er beschreibt das Lebensende des Peregrinus:
„Übrigens verehrten diese Leute den bekannten Magus, der in Palästina deswegen gekreuzigt wurde, weil er diese neuen Mysterien in die Welt eingeführt hatte… Denn diese armen Leute haben sich in den Kopf gesetzt, dass sie mit Leib und Seele unsterblich werden und in alle Ewigkeit leben würden: Daher kommt es dann, dass sie den Tod verachten und viele von ihnen ihm sogar freiwillig in die Hände laufen. Überdies hat ihnen ihr erster Gesetzgeber beigebracht, dass sie untereinander alle Brüder würden, sobald sie den grossen Schritt getan hätten, die griechischen Götter zu verleugnen, ihre Knie vor jenem gekreuzigten Sophisten zu beugen und nach seinen Gesetzen zu leben“ (De morte Peregrini, 11).

Der syrische Stoiker Mara Bar-Serapion schrieb aus dem Gefängnis (frühestens im Jahr 73) an seinen Sohn Serapion einen Brief mit dem folgenden Abschnitt:
„Welchen Vorteil hatten die Athener davon, dass sie Sokrates zum Tode verurteilten? Hunger und Seuchen kamen über sie als Strafe für ihr Verbrechen. Welchen Vorteil hatten die Männer von Samos davon, dass sie Pythagoras verbrannten? In einem Augenblick wurde ihr Land von Sand zugedeckt. Was hatten die Juden davon, dass sie ihren weisen König umbrachten? Ganz kurze Zeit darauf wurde ihr Königtum abgeschafft. Gott rächte diese drei Weisen: die Athener starben Hungers; die Bewohner von Samos wurden vom Meer überwältigt und die Juden aus ihrem Land vertrieben, nachdem es zerstört worden war. Danach lebten sie in vollständiger Zerstreuung. Doch Sokrates starb nicht umsonst. Er lebt fort in den Lehren des Plato; auch Pythagoras starb nicht umsonst, er lebt fort in der Statue der Hera. Und auch der weise König der Juden starb nicht umsonst; er lebt weiter in der Lehre, die er verkündet hat.

Dass Jesus von Nazareth vor 2000 Jahren gelebt hat, ist auch durch ausserbiblische Quellen belegt. Die meisten Autoren, die ihn erwähnten, hatten nichts für den Mann übrig, der in der unruhigen Randprovinz Menschen um sich geschart hatte.

Römische Autoren

Publius Cornelius Tacitus (55-ca.117 n. Chr.), der bedeutendste Historiker des römischen Kaiserreichs, Senator, Prokonsul und Statthalter über Kleinasien, erläutert in seinen Annalen XV.44, wo er den Brand Roms im Jahr 68 behandelt, den Begriff ‚Christen’:
„Dieser Name stammt von Christus, der unter Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war. Dieser verderbliche Aberglaube war für den Augenblick unterdrückt worden, trat aber später wieder hervor und verbreitete sich nicht nur in Judäa, wo er aufgekommen war, sondern auch in Rom, wo alle Greuel und Abscheulichkeiten der Welt zusammenströmen und geübt werden…“

Gaius Tranquillus Sueton (69-ca.122 n. Chr.), Kanzleichef Hadrians und Verfasser von Kaiserbiographien, weiss von einem Chrestos, der die Ursache von Streitigkeiten unter Juden war:
„Da die Juden unter ihrem Anführer Chrestos [Christus] beständig Unruhe stiften, vertrieb er [Claudius] sie aus Rom.“ (Leben der Cäsaren, Claudius, 25.4)

Chrestos war ein gebräuchlicher Sklavenname, der wie Christos ausgesprochen wurde. Das Edikt erliess Claudius im Jahr 49; die Folge ist in Apostelgeschichte 18,2 erwähnt.

Gajus Plinius Caecilius Secundus (61-113 n. Chr.), amtet nach 110 als Prokonsul der Provinzen Bithynien und Pontus (heute Türkei). Der berühmte Autor beschreibt Christen, die in ihren Gottesdiensten vor Sonnenaufgang Christus als Gott besingen.
Plinius erbittet von Kaiser Trajan Anweisungen, wie er die Christen behandeln soll. In einem langen Brief (X,96) beschreibt er ausführlich die Verhöre, die regelmässig einen „perversen Aberglauben“ an den Tag brachten. Plinius erläutert, dass er Männer wie Frauen, Jungen wie Mädchen hat töten lassen. Es wurden so viele hingerichtet, dass er sich fragt, ob er weiterhin jeden töten soll, der als Christ entdeckt wird. Wer der Kaiserstatue und den römischen Göttern huldigte und Christus verfluchte, wurde freigelassen.

Was zeigen diese Belege?

Frederick F. Bruce, Professor für Theologie an der Universität Manchester, gehörte zu den besten Kennern des 1. Jahrhunderts. Er schlussfolgerte: „Die Geschichtlichkeit Jesu ist für einen unvoreingenommenen Historiker ebenso unumstösslich wie die Historizität Julius Cäsars. Wer von einem Christus-Mythos spricht, ist kein Historiker.“

Buchtipp zum Thema:
Frederick F. Bruce: Ausserbiblische Zeugnisse über Jesus und das frühe Christentum
202 Seiten, Brunnen, Giessen, 19974
ISBN 3-7655-9366-4

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